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Thema: Knigge für Flugreisende

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    Knigge für Flugreisende



    Wenn ich die heutige Szenerie auf manchen Kurz- Mittel- oder Langstreckenflügen so betrachte, kann ich ein spezielles Reiseprodukt ganz besonders empfehlen: Den Knigge! Ein alt bewährter Leitfaden, was sich gehört und was eben nicht.

    Statt vor dem Start etwas Erfrischendes für den Gaumen zu verteilen, könnten die Flugbegleiterinnen zur Erziehung ihrer Fluggäste zu kultivierterem Verhalten zur Abwechslung einmal eine Ausgabe des Knigge unter die Leute bringen. Nötig hätten das heutzutage nicht wenige.

    In der Zeit, als die Airliner noch mit zwei oder vier Propellern flogen, war der Knigge kaum ein Thema. Auch lange, nachdem Düsen- oder Turboprop-Triebwerke die Kolbenschüttler abgelöst hatten, konnte man sich – sogar in den Ferienfliegern – in einer angenehmen Atmosphäre recht wohl fühlen. Die Passagiere traten ihren Flug in einem gepflegten Outfit an und benahmen sich an Bord entsprechend. Ausnahmen bestätigten die Regel.

    Heute, im Zeichen des Massenluftverkehrs, sieht das oft ganz anders aus: Gestalten, die weder sich noch ihre Klamotten seit Wochen gewaschen zu haben scheinen, lümmeln sich in den Sitzen, wuchten ihr umfangreiches Gepäck herum, schnarchen, rülpsen und verbreiten „Düfte“, die einem den ausserplanmässigen Gebrauch einer Sauerstoffmaske empfehlenswert erscheinen lassen. Da wird der eigene Fluggastsitz so weit nach hinten geklappt, dass sich der rückwärtige Nachbar fast wie in einer Oelpresse fühlt. Reklamationen nimmt man überhaupt nicht zur Kenntnis oder kommentiert sie mit Unflätigkeiten.

    Nachdem die Essencontainer nach vorne oder hinten verschwunden sind, beginnt das grosse Mampfen, das sich von Fall zu Fall anhört, als befände man sich in einem Schweinestall. Dabei spritzt nicht selten ein kräftiger Schluck Kaffee, Wein, Bier – oder anderes auf die Hose oder das Kleid des Sitznachbarn oder der Sitznachbarin.

    Befindet man sich am Fenster und will zur Toilette, sind oft akrobatische Einlagen nötig, um sich vor den Knien der zum Gang hin sitzenden Individuen durchzudrücken, die es für eine ungeheuerliche Zumutung halten, kurz aufzustehen und den Weg für einige Sekunden freizugeben.

    Auf Langstreckenflügen sieht es nach mehrstündigen Luftreisen im Flugzeug oft aus wie auf einer Müllkippe. Plastikbecher, Zeitungen und andere Untensilien landen auf dem Boden; die Besatzung wird‘s schon richten.

    Dem Alkohol wird von manchen Zeitgenossen kräftig bis zu kräftig zugesprochen. In der dünneren Luft der Druckkabine mit verstärktem Effekt. Ist man dann angeheitert bis bereits im Delirium, ergeben sich für die Mitreisenden weitere Unannehmlichkeiten und die Flugbegleiterinnen müssen sich so manchen nicht salonfähigen Kommentar anhören, wenn sie den Alkoholnachschub mit diplomatischen Worten unterbinden wollen.

    Sicher – diese Beispiele treten nicht überall und auch nicht so konzentriert auf, wie ich sie in diesem Beitrag beschrieben habe. Aber – sie sind trotzdem auf allen Luftstrassen an der Tagesordnung.

    Vielleicht würde die Ausgabe eines Knigge beim Einen oder Anderen ein Nachdenken und ein kultivierteres Verhalten bewirken - aber eben nur vielleicht!



    mercator
    Geändert von mercator (23.11.2011 um 23:10 Uhr)

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