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Freizeitfliegerei - ein Schicki-Micki-Sport?

Bildquelle: Eigene Aufnahme aus Motorsegler “Super-Dimona”an der Rigi (östlich von Luzern)
Wenn ich dem Einen oder Anderen von meinem langjährigen Hobby, der Sportfliegerei, berichte, dann werde ich nicht selten in die Nähe der heute weit verbreiteten Schicki-Micki-Gesellschaft gerückt, obwohl ich mit dieser Gilde noch nie etwas zu tun hatte und auch nie etwas zu tun haben möchte.
Dieses völlig falsche Bild existiert nicht erst seit gestern oder heute. Schon in meiner Jugendzeit (das ist jetzt fünfzig Jahre her) wurde selbst das Segelfliegen nicht selten mit überbordendem Wohlstand verbunden. Woher kommt diese realitätsfremde Vorstellung?
Fliegen ist tatsächlich nicht gratis und man muss für eine fliegerische Ausbildung und das nötige anschliessende Training schon etwas tiefer in dieTasche greifen. Aber mit nur etwas Bescheidenheit an anderer Stelle ist die Sportfliegerei – ob Segelflug oder Motorflug – auch von unseren Jugendlichen durchaus finanzierbar. Wenn ich alles zusammenrechne, dann könnte ich mir für die Mittel, die ich in nunmehr einem halben Jahrhundert für mein luftiges Hobby aufgewendet habe, eine attraktive Wohnung, eine Luxuskarosse oder ähnliches kaufen. Trotzdem bereue ich keine einzige Mark und keinen Franken, die ich bisher für die Fliegerei ausgegeben habe.
Es gibt wohl keine andere Freizeitbetätigung, die so fantastische Eindrücke bietet, die so herausfordernd und faszinierend ist. Wenn ich mir mit ansehen muss, wie viel Geld für Dinge ausgegeben wird, die völlig unnötig sind, dann fahre ich nach wie vor mit dem besten Gewissen zum Flugplatz.
Die heutzutage schon krankhafte Prestigesucht, immer noch eine Spur teurere Utensilien bzw. „Persönlichkeitsverlängerungen“ als der andere zu erwerben und sich damit abzugrenzen, die Philosophie, mehr zu scheinen als zu sein, sowie eine blinde Konsummentalität oder Vergnügungssucht gehen schnell einmal an die finanzielle Substanz. Dass dann für das scheinbar exklusive Hobby Fliegerei nichts mehr übrig bleibt, wird so leicht verständlich. Mit all dem hatte ich nie etwas am Hut – aber trotzdem nie das Gefühl, mir meine (relativ bescheidenen) Wünsche nicht erfüllen zu können.
Wenn wir Sportflieger trotz aller Bescheidenheit einer nicht sehr verbreiteten, aber doch etwas exklusiven Klientel angehören, so hat das einige Gründe: Nicht das finanzielle Schwergewicht – wie so oft behauptet wird – steht imVordergrund. Flugsport ist vielmehr eine Betätigung, die neben dem (durchaus verkraftbaren) finanziellen Aufwand sehr viel persönliches Engagement erfordert. Echte Begeisterung, Disziplin, Lernbereitschaft, ständiges Training, etc.
Ein angehender Pilot kann nicht – wie z.B. ein Golfspieler - schnell einmal auf dem Flugplatz erscheinen, ab und zu eine Runde „Flugi fahren“ und dann wieder verschwinden. Die theoretische und praktische Ausbildung erfordern viel Mühe, Präsenz und Durchhaltewillen – bei den Segelfliegern kommt noch der enorme zeitliche Aufwand hinzu, der für diesen Gemeinschaftssport unverzichtbar ist. Einer für alle – alle für einen.
Alles zusammengenommen ist das Gerücht, die Sportflieger gehörten allesamt zu einer abgehobenen „Bonzenschicht“ – im wahrsten Sinne nur ein Gerücht, mit dem man lieber heute als morgen endlich aufräumen sollte.
mercator
Geändert von mercator (04.02.2012 um 17:39 Uhr)
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